auxilium-online.net - Wörterbuch und Community für Latein
Start > Forum > Thema > Thread
Latein - Hausaufgaben und die Klausur
Du musst dich einloggen, um neue Beitr?ge schreiben zu k?nnen.
Autor Beitrag
DE-30659
8 Beitr?ge
07.06.2010, 18:04 Uhr
Latein - Hausaufgaben und die Klausur
Weiß jemand warum ich meine Hausaufgaben häufig mal nicht hinkriege und ganze Sätze nicht verstehe, in der Klausur aber immer mein 12 bis 14 Punkte in der Übersetzung habe? Vielleicht mal an die Lateinlehrer: Sind die Klausuren leichter im Vergleich zu den Hausaufgaben?
DE-80939
157 Beitr?ge
07.06.2010, 18:32 Uhr
Ich bin zwar (noch) kein Lehrer, allerdings weiß ich noch aus meiner Schulzeit, dass wir das (grundsätzlich in allen Fächern) so gehandhabt haben, dass in den Unterrichtsstunden und den Hausaufgaben eher schwere Übungen gemacht wurden, damit wir dann in der Klausur eine bessere Leistung erzielen. Andersherum (Übungen leicht, Klausur schwer) würde das m.E. auch gar keinen Sinn machen und wäre kontraproduktiv.
Lingua est omnis divisa in partes tres, quarum una est discere verba, alia grammaticam, tertia, quae hodie in lingua latina raro inveniri potest, ingenium colloquii.
DE-30659
8 Beitr?ge
07.06.2010, 18:49 Uhr
Ja, aber du hast ja meine grauenhafte Ciceroübersetzung gelesen und ich bin eine der besten Schüler und schreib meine 14 Punkte, obwohl ich bei meinen HA regelmäßig verzweifel. Das ist doch komisch oder?
DE-80939
157 Beitr?ge
07.06.2010, 21:50 Uhr
Stimmt, das ist komisch.
Lingua est omnis divisa in partes tres, quarum una est discere verba, alia grammaticam, tertia, quae hodie in lingua latina raro inveniri potest, ingenium colloquii.
DE-63073
1388 Beitr?ge
10.06.2010, 18:18 Uhr
Es gibt Lateinlehrer (wir alle kennen einen oder zwei), die ihre Klausuren mit Durchschnitt Vierkommanochwas regelmäßig genehmigen lassen und durchziehen.

Die meisten anderen Lateinlehrer wollen dem allgemeinen Leistungsbild der Klasse angemessene Ergebnisse und stellen deshalb Klausuren, die entweder ihrem eigenen Anspruch nach zu leicht sind, oder bewerten so milde, dass unter Texten, die sich, wenn man objektiv und ehrlich ist, wie Ergüsse eines psychisch Kranken lesen, am Ende ein 'Ausreichend' steht.

Wer ehrlich ist, muss zugeben, dass Latein an der Schule ein Strukturproblem hat.

Einerseits, und das hören wir oft genug von den Profs, schicken wir mangelhaft ausgebildete Menschen an die Unis: Mit dem heutigen Schullatein hat man eine miserable Ausgangsposition für ein Studium der klassischen Philologie.

Andererseits führt kein Weg zurück zu den 'goldenen Zeiten' (Sie waren in vieler Hinsicht nicht golden!!!), als Latein ab Klasse 5 mit x Wochenstunden das wichtigste Schulfach war. Schüler haben heute eine Menge an Wissen und Kompetenzen zu erwerben, und Latein steht in harter Konkurrenz.

Die Crux mit Latein ist, dass der reine Spracherwerb eine hohe Hürde darstellt, bevor man mit zeitgemäßen didaktischen Inhalten überhaupt anfangen kann. Bildlich gesagt: Man unterrichtet eigentlich Tanz, aber verbringt 90% der Zeit mit Laufenlernen.

Natürlich gibt es eine große Zahl guter methodischer Neuansätze für dieses Dilemma, und nicht erst seit gestern. Dass man z.B. von Anfang an mit sinnvollen Texten inhaltsbezogen arbeitet, ist seit Jahrzehnten gängige Praxis. Doch das Ei des Kolumbus ist noch nicht dabei.

Denn trotz alledem müssen Vokabeln, Formen und Regeln gepaukt werden, und dafür gibt es oft, allen pädagogischen Bemühungen zum Trotz, einfach nicht genug Zeit. In der Konsequenz macht man Abstriche bei der Sprachbeherrschung, hilft mit Fußnoten und deutschen Übersetzungen und konzentriert sich auf die (tatsächlich ja viel interessantere) Interpretation und Kulturkunde. Gleichzeitig raubt man den Schülern aber ein gutes Stück Selbständigkeit. Und das merkt man leider oft erst bei den Klausuren...

Gruß
th60
(c) 2006-2018 CommTec-Softwareentwicklung - www.auxilium-online.net - Lateinwörterbuch und Latein-Community